Mittwoch, 19.01.2011

Neues Aufgabenfeld am Rheinischen Rheuma-Zentrum: Knochenheilkunde (Osteologie)

Dr. Volker Nehls

Meerbusch-Lank. „Knochen erfinden sich im Zehnjahresrhythmus neu und passen sich dabei mit vermeintlich gewebefremder Elastizität den physikalischen Erfordernissen an“, erläutert Dr. Volker Nehls, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin am Rheinischen Rheuma-Zentrum Meerbusch-Lank. „Wenn die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) den knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) nicht folgen können, gerät das System aus der Balance und der Knochen verliert an Substanz“, so Nehls. Der habilitierte Mediziner hat sich wissenschaftlich intensiv mit der Biologie des Bindegewebes auseinandergesetzt und erhielt dafür den Renate-und-Hans-Lettré-Forschungspreis.

Im Rheinischen Rheuma-Zentrum sollen Patienten künftig von den zunehmenden molekularen Erkenntnissen profitieren. Eine eigene Fachambulanz für Knochenheilkunde (Osteologie), Hormone und Immunsystem (Immunendokrinologie) wird eingerichtet. Dort werden kniffelige Fälle, bei denen Gliederschmerzen oder Knochenerkrankungen durch Störungen des hormonellen Systems ausgelöst werden, diagnostiziert. „Die Erkenntnisse der Knochenheilkunde, die jedes Jahr neue maßgeschneiderte Wirkstoffe hervorbringt, sollen konsequent klinisch umgesetzt werden“, so Volker Nehls.

Ottmar Köck, Geschäftsführer des Rheinischen Rheuma-Zentrums: „Das St. Elisabeth-Hospital ist bereits überregional bekannt als Zentrum zur Behandlung von Rheuma-Erkrankungen aller Art. Mit Dr. Volker Nehls wollen wir jetzt gezielt die Osteologie und rheumatologisch ausgerichtete Endokrinologie stärken und das bereits vorhandene Behandlungsspektrum erweitern“.

Bekannteste knochenabbauende Krankheit: Osteoporose
Das bekanntere Ergebnis einer überschießenden Osteoklasten-Aktivität ist die Osteoporose. Bei dieser Krankheit bilden sich die Knochenbälkchen zurück. Die Knochen werden zunehmend poröser. Osteoporose kann sich viele Jahre schmerzfrei entwickeln. Im Falle eines Knochenbruchs kann sie innerhalb von Sekunden zu einer Tragödie für den Betroffenen werden.

„Erfreulicherweise hat sich in der Forschung inzwischen vieles getan“, berichtet Volker Nehls. „Neue mikroskopische und biochemische Welten wurden erschlossen.“

So vielfältig sind die Erkenntnisse zur Regulation des Knochenwachstums, dass sich ein neues Fach die Daseinsberechtigung erkämpft hat: die Knochenheilkunde (Osteologie). Bei den Medizinern der benachbarten Disziplinen setzt bereits das eigene Fachgebiet umfangreiches osteologisches Wissen voraus. Der Hormonexperte (Endokrinologe) kennt die Botenstoffe, die das Knochenwachstum und den Abbau des Skeletts steuern, sozusagen von Haus aus. Der Rheumatologe weiß, dass die knochenabbauenden Zellen zugleich wichtiger Bestandteil des Immunsystems sind. Osteoklasten zeigen den Zellen der Immunabwehr, wo es lang geht und wie der Gegner heißt. Sie gehören - im Jargon der Immunologie - zu den „antigenpräsentierenden Zellen“.

Die funktionellen Verbindungen zwischen hormonellem System und Immunsystem beschäftigen Volker Nehls seit Jahren. Im Team mit Chefarzt Dr. Stefan Ewerbeck, dem Leiter der rheumatologischen Klinik, konzentriert er sich auf die Beeinflussung von immunologischen Erkrankungen durch Hormone. Insbesondere interessiert er sich für hormonelle Erkrankungen, die rheumatische Symptome auslösen können.

Um den Bekanntheitsgrad des im Aufwind befindlichen Faches „Immunendokrinologie“ zu mehren, schreibt er über Themen, die die Verflechtung von Rheumatologie und Endokrinologie anschaulich vor Augen führen (www.immunendokrinologie.de).

Neues Denken bei Arthrose
Volker Nehls geht davon aus, dass auch Patienten mit Arthrose künftig von einem systemübergreifenden und vernetzten molekularen Denken profitieren werden: „Arthrose als reine Verschleißerkrankung anzusehen, bedeutet eine unzulässige Vereinfachung des Krankheitsgeschehens“. Neuere Erkennt¬nisse zeigten, dass entzündliche Botenstoffe und Stoffwechselprodukte die Arthroseentwicklung beeinflussen.

Für die Entstehung der Arthrose wird das überschießende Wachstum von Knochenzacken (Osteophyten) an den erkrankten Gelenken von Fachleuten heute als entscheidender angesehen als der Faktor „Verschleiß“. Die Botenstoffe und Hormone, die das Knochenwachstum steuern, rücken daher immer mehr in den Fokus des Interesses und werden, da ist sich Nehls ganz sicher, die medikamentöse Therapie der Arthrose bereichern und auf ein solideres wissenschaftliches Fundament stellen.

 

Kontakt: Dr. Volker Nehls, Klinik für Innere Medizin am Rheinischen Rheuma-Zentrum Meerbusch-Lank, Hauptstraße 74-76, 40668 Meerbusch-Lank, Telefon: 021 50 / 917-138.