Dienstag, 07.06.2011

Dr. Thomas Pauly rät zur sorgfältigen Überlegung: Eigenblutspende: Medizinisch notwendig oder nicht?

 

 

Dr. Thomas Pauly

Meerbusch-Lank. „Es gibt Argumente für eine Eigenblutspende vor Gelenkersatzeingriffen, aber eine medizinische Notwendigkeit sehe ich bei blutsparend operierenden Kliniken nicht“, fasst Privat-Dozent Dr. Thomas Pauly, Chefarzt der Klinik für Orthopädie am St. Elisabeth-Hospital, seine Meinung zu diesem Thema zusammen. „Jeder Patient muss sehr sorgfältig abwägen, ob er auf eine Eigenblutspende unbedingten Wert legt.“ Denn wird die Eigenblutspende bei der vorgesehenen Operation nicht benötigt, darf sie keinem anderen Patienten mit der gleichen Blutgruppe gegeben, sondern muss vernichtet werden.

Vier Wochen vor Operation
Bei einem Entschluss zur Eigenblutspende sollte sich der Patient etwa vier Wochen vor seiner Operation 500 Milliliter Blut abnehmen lassen. Dieser Zeitraum ist sinnvoll, damit der Körper genügend Zeit hat, das gespendete Blut wieder nachzubilden. Dieses Blut wird dann, wie die meisten anderen Blutspenden auch, beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) zur Blutkonserve aufgearbeitet.

„In den letzten fünf Jahren benötigten wir bei gelenkersetzenden Operationen durchschnittlich bei weniger als zehn Prozent eine Blutgabe“, führt Thomas Pauly weiter aus. „In der Literatur findet man allerdings Angaben zu einer Transfusions-Erfordernis zwischen 20 und 70 Prozent.

„In Kenntnis dieser Zahlen verzichten bei uns mittlerweile die meisten Patienten auf eine Eigenblutspende. Im letzten Jahr hatten 18 Patienten für ihre eigene Hüft- und Kniegelenkersatz-Operation Blut gespendet. In keinem Fall wurde das Blut benötigt – und die Blutkonserven mussten nach der Operation vernichtet werden“.

Sicherheit des eigenen Blutes
„Für eine Eigenblutspende spricht, dass der Patient die Sicherheit des eigenen Blutes hat. Denn Fremdblut birgt das Restrisiko einer Infektion mit beispielsweise Gelbsucht oder Aids. Dieses Restrisiko lässt sich nicht wegdiskutieren“, betont Thomas Pauly. „Aber das Risiko liegt bei 1 : 200.000 bis zu 1 : 1.000.000 – und das ist ein sehr, sehr geringes Risiko.“ Eine Wahrscheinlichkeit, die sehr gering ist. Man muss sich fragen, ob sich der Aufwand der Eigenblutspende lohnt.

Risiko: Kreislaufbelastung
Denn auch eine Eigenblutspende birgt für den Patienten ein Risiko. „Blut spenden belastet den Kreislauf. Der Körper muss nachregulieren, um den Volumenverlust von ca. 500 Milliliter auszugleichen“, erläutert Thomas Pauly. „Gerade bei älteren Menschen ist das Kreislaufsystem bereits etwas starr. Da funktioniert das Nachregulieren nicht immer ohne weiteres. Es könnte zu möglichen Kreislaufstörungen bis hin zum Kollaps führen.

Rat für Patienten: Transfusions-Statistik nachfragen
„Wenn ein Patient bei einer gelenkersetzenden Operation unsicher ist, ob er vorher sein eigenes Blut für sich spenden soll, dann empfehle ich ihm die Frage nach einer klinikbezogenen Transfusions-Statistik“, erläutert der Chefarzt. Diese Zahlen belegen, wie oft durchschnittlich bei dieser Operation Blut gebraucht wird.

„Liegt die Zahl deutlich über zehn Prozent, sollte man durchaus über eine Eigenblutspende nachdenken. Bei niedrigeren Transfusionsraten muss man abwägen, ob das geringe Restrisiko einer Fremdblutgabe in Kombination mit einer geringen Transfusionswahrscheinlichkeit subjektiv zu hoch erscheint. Eine medizinische Indikation zu einer Eigenblutspende sehe ich unter den genannten Bedingungen und bei normalen Umständen nicht“, betont Thomas Pauly.